Mitarbeit

Ein Verein lebt von Mitarbeit und ehrenamtlichem Engagement! So weit, so klar! Im Falle einer
(unserer) SoLaWi besteht der Hauptteil der Arbeit jedoch nicht aus Organisation und Verwaltung, wie
es vielleicht in einem Sportverein der Fall wäre, sondern in weiten Teilen aus körperlicher Arbeit. Du
denkst, das ist doch klar, es ist schließlich ein landwirtschaftlicher Betrieb. Richtig, es wäre jedoch
denkbar, dass die ganze körperliche Arbeit ausschließlich von angestellten Gärtnern und Hilfskräften
erledigt wird und wir Ernteteiler* einfach nur einmal die Woche unser Gemüse holen. Alles eine
Frage der Zielsetzung und -natürlich- des Geldes! Doch das ist nicht unser Ansatz.

Wir wollen, dass sich unsere Ernteteiler die Hände schmutzig machen können, wenn sie wollen! Ob
mit beiden Händen in der Erde, an der Radhacke oder dem Schraubenschlüssel ist ganz egal!
Natürlich ist das keine Teilhabevoraussetzung, das wäre aufgrund der unterschiedlichen körperlichen
Voraussetzungen auch gar nicht möglich. Jeder wie er/sie kann oder will. Zudem ist auch der
organisatorische Anteil der Arbeit trotz allem nicht zu unterschätzen, insbesondere dann, wenn man
wie wir großen Wert auf gemeinschaftliche Aktionen und Wissensvermittlung legt.

Ja, wir haben uns einen Bildungsauftrag gegeben und wollen Bewusstsein schaffen oder wieder
hervorholen, und das geht sicher am besten direkt an der Wurzel, im wahrsten Sinne des Wortes!
Einige unter uns haben vielleicht selbst oder hatten bei den Eltern einen Gemüsegarten und erinnern
sich noch dunkel an den Geschmack von eigenen Bohnen oder Tomaten. Heute haben wir es uns gut
eingerichtet in der Konsumgesellschaft, in der es zwar 24×7 alles gibt, jedoch vieles zu einem zu
hohen Preis. Und wenn wir an den „Geschmack“ (allein das Wort ist schon paradox) von spanischen
Gewächshaustomaten denken, dann meinen wir nicht nur den Preis der Umweltzerstörung!
In dem wir ab und an auf dem Acker arbeiten, wollen wir erleben und erfühlen, wie sich der Boden
über die Jahre vom einem bröseligen, ausgelaugten, ehemals konventionellen Acker entwickelt, zu
einem strukturierten nährstoffreichen Humusboden, der das knapper werdende Wasser hält und
dem Wind trotzt.

Schul- und Vorschulkinder sollen lernen, was es an Arbeit und Zeit bedeutet, aus einer Kartoffel
leckere Pommes zu machen und dass man dabei gelegentlich auch Rückschläge einstecken muss.
Auch das zu ermöglichen ist Arbeit und Auftrag zugleich, vor allem aber ein Vergnügen!
Wir experimentieren und sammeln Erfahrungen mit dem Boden, dem Wetter, dem Klima, den
Schädlingen. Durch diese Arbeit erlangen wir Wissen, das auf dem Weg zu mehr kleinteiliger
regionaler Landwirtschaft für viele Interessierte von Nutzen sein kann. Auch wir wollen natürlich den
maximalen Ertrag für unsere Arbeit!

Doch bereits durch die reine Mitgliedschaft arbeitest du mit, ob du willst oder nicht. Du arbeitest mit
am Wandel der Konsumgesellschaft. Weg von der eingeflogenen Erdbeere von der Südhalbkugel im
Dezember, hin zur heimischen Erdbeere von Mai bis August. Du arbeitest mit an der Veränderung zu
mehr Wertschätzung -auch der konventionellen- Landwirtschaft. Als Ernteteiler spürst du nicht nur
uneingeschränkte Freude, wenn im April vier Wochen strahlender Sonnenschein herrscht. Dir wird
klar, was das erst recht für die Familien bedeutet, die von ihren Bodenerträgen leben müssen, wenn
unsere Gärtner* berichten, dass gerade die erste Aussaat im Boden verbrennt.

Und wenn schließlich die Ernte eingefahren ist, dann arbeitest du an der Erweiterung deines
kulinarischen Horizonts und mit Sicherheit an deinen Fähigkeiten als Koch oder Köchin. Denn in
dieser Vielfalt hättest du im Supermarkt nie und nimmer eingekauft – versprochen! Diese Arbeit
kannst du dir dann wenigstens sparen!

Du willst diese Erfahrung teilen? Es gibt Arbeit, komm´ vorbei!